VOICING & STIMMEN

Als „Voicing“ wird der Sound des Instruments bezeichnet.

Beim Einstellen des Voicings wird die Lautstärke aller Töne zueinander angeglichen und das Verhältnis von Grundton zu Oberton angepasst. Ein gleichmäßiges Voicing über den gesamten Tastaturbereich setzt eine gute Grundsubstanz des Instruments voraus. Neue Grommets helfen und wenn das Instrument einen frischen Satz Hammer Tips hat, wird das Voicing ebenfalls erleichtert und das Ergebnis ist entsprechend ausgeglichen.

Zum Voicing gehört auch, die Tines (Klangstäbe) an der Spitze gerade zu schleifen. Wenn sie spitz zulaufen wie ein Pfeil (siehe Bild unten), führt das zu heftigen Obertönen und einem verzerrten Sound.

Escapement und Einstellen der Strikeline sind ebenfalls Bestandteil des Voicings. Dabei beschreibt das Escapement den Abstand zwischen Hammerkopf und Klangstab bei gedrückter Taste. Ist das Escapement zu niedrig eingestellt, führt dies zu sogenanntem „Double Striking“, bei dem das Tine nach dem Anschlagen noch einmal auf den Hammerkopf trifft und dann gedämpft wird oder gar ganz verstummt. Ist das Escapement zu hoch eingestellt, wird die Ansprache des Instruments schlecht, bedeutet es muss mit relativ hoher Geschwindigkeit / viel Kraft gespielt werden, um einen Ton auszulösen. Hier die Balance zu finden ist die Kunst. Ich nutze für das Einstellen des Escapements mit dem Laser zugeschnittene Sperrholz-Plättchen.

Strikeline hingegen bezeichnet den Punkt, an dem der Hammer Tip auf das Tine trifft. Die Strikeline kann (leider) nicht individuell für einzelne Tasten eingestellt werden. Sie wird global für das gesamte Instrument über die Position der Harp eingestellt. Das korrekte Einstellen der Strikeline ist einer der wichtigsten Schritte im Voicing und ist entscheidend für einen guten Gesamtsound. Ein Video dazu findest du unten.

Da die Schrauben, mit denen das Voicing eingestellt wird, in Holz eingeschraubt werden, bleibt es nicht aus, dass sich das Voicing über die Zeit hinweg verändert. Wenn es jedoch einmal eingestellt ist, lässt es sich auch einfach vom Spieler wieder anpassen.

Auch das bekannte Problem, dass die Bassnoten nicht gerade sondern in einer 8-Form schwingen, wird im Zuge des Voicings behoben.

Ein Wort noch zur Ansprache des Instruments:
Beim Rhodes Piano hängen Hammer, Dämpferarm und Dämpfer unmittelbar über ein Bändchen, das „Bridle Strap“, zusammen. Bewegt sich der Hammer nach oben, zieht dieser an dem Dämpfer. Der bewegt sich nach unten und gibt das Tine frei. Der Hammerkopf trifft auf das Tine und erzeugt den Ton. Dieser Widerstand muss also vom Hammer beim Drücken der Taste überwunden werden. Das ist auch der Grund, warum sich ein Rhodes mit gedrücktem Sustain Pedal extrem leichtgängig spielen lässt. Die Zugkraft der Dämpfer wird damit von den Hämmern genommen. 
Im Bass-Bereich kommen kürzere Dämpferarme zum Einsatz, um die langen Klangstäbe stoppen zu können. Deshalb ist der Widerstand der Tasten im Bass höher, was darin resultiert, dass auch die Tastatur in diesem Bereich etwas schwerer zu spielen ist.

Nach dem Voicing erfolgt das Stimmen sofern nicht anders angegeben auf 440Hz. Dazu wird die Feder, die auf jedes Tine aufgeschoben ist, mit einer Drehbewegung vom Spieler hin oder weg geschoben. 

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