DIE GESCHICHTE DES FENDER RHODES

Harold Rhodes

Harold Burroughs Rhodes wurde 1910 in San Fernando Valley geboren. Früh entwickelte er sein eigenes Unterrichtskonzept und konnte schon in den 1930er Jahren eine ganze Reihe an Musikschulen von seiner Lehrmethode überzeugen. Die Besonderheit lag darin, nicht nur Notenkenntnis und Technik zu vermitteln, sondern auch und insbesondere auf den Sound dessen zu hören, was man spielt. Das Konzept nannte sich „The Rhodes Method“.

Die Geschichte des Fender Rhodes startet im zweiten Weltkrieg. H. Rhodes ging zu den Army Air Corps. Dort wurde er damit beauftragt, eine Therapie für verwundete Soldaten zu entwickeln. H. Rhodes glaubte fest daran, dass Musik eine schnelle Heilung verspricht.

Harold Rhodes mit dem Xylette.

Pre Piano

So ging er auf den Army Schrottplatz und sah sich nach geeigneten Teilen für ein Piano um. Aluminiumröhren von einem B-17 Bomber erzeugten einen guten Ton wenn man sie auf „Xylophon“-Länge kürzt. Das Endergebnis kann man sich wie ein ToyPiano vorstellen. Es hatte 2.5 Oktaven.

Es war ein Riesenerfolg und tausende solcher Pianos wurden produziert. Für diese therapeutische Leistung bekam H. Rhodes sogar die „Medal of Honor“ verliehen.

Das PrePiano mit eingebautem Röhrenverstärker.

Bild aus dem Rhodes-Patent US2972922A

Nach dem Krieg wurde Rhodes von großen Firmen angeheuert, die das große Geld witterten. Doch Rhodes wollte es zunächst alleine probieren. Die „Rhodes Piano Corporation“ wurde gegründet. Auf der NAMM 1946 wurde dann das „Pre-Piano“ mit 3.5 Oktaven vorgestellt. Den Klang erzeugten Saiten, die von dem Türklinkel-Hersteller Torrington produziert wurden. Rhodes war begeistert von dem Klang und entschied sich, mehr über Elektronik zu lernen. So entstand eine elektrisch verstärkte Version des Pre-Pianos mit 6“ Lautsprecher. Der Einführungspreis lag damals bei gerade mal $99,50.

Motiviert entwickelte er eine Version mit 72 Tasten und ging damit auf USA-Tour… und die Gerüchte und News über das Instrument erreichten Leo Fender. Mittlerweile befinden wir uns in den 50er Jahren, die klar von Leo Fender dominiert wurden. Innerhalb von nur fünf Jahren entwickelte er die Telecaster, den Precision Bass und die Stratocaster. Auch viele legendäre Verstärker hat Leo in dieser Zeit auf den Markt gebracht.

Leo Fender

Fender Rhodes Piano Bass

Die Jahre 1959-1965 waren nicht gerade die Glanzzeiten des Fender Rhodes. Verfügbar war lediglich der Fender Rhodes Piano Bass mit 32 Tasten und das obwohl H.Rhodes unlängst ein Instrument mit 73 Tasten gefertigt hatte. Leo Fender stand nicht auf den glockigen Rhodes-Sound und so sollte H.Rhodes lieber an etwas Clavinet-artigem arbeiten. Das hielt H.Rhodes aber nicht davon ab sein erstes Fullrange-Instrument mit 88 Tasten zu entwickeln.

An einem sonnigen Tag im Jahre 1964 bekam H.Rhodes Besuch von zwei Männern, die jedoch nach kurzem Smalltalk über das Fender Rhodes wieder davon gingen. Es stellte sich heraus, dass diese zwei Männer Goddard Lieberson und Don Randall von der Firma CBS waren.
CBS bot H.Rhodes an, ihn aus Fender herauszukaufen, was sie am 4. Januar 1965 für $13.000.000 auch taten.

Goddard_Lieberson (links), Don Randall (rechts)

Fender Rhodes Sparkletop

1965 sollte DAS Jahr für Harold Rhodes werden. Endlich konnte er an seinem Piano weiterarbeiten und es letztlich auch präsentieren. Das Fender Rhodes Mark I Suitcase umhüllt mir schwarzem Tolex (Kunstleder) und glitzernder Haube (Sparkletop), Mono Tremolo, 50W Endstufe und Lautsprechern war geboren. Als ein Mann von Ehre sprach H.Rhodes Leo Fender seinen Dank für einige Verbesserungsvorschläge am Verstärkerdesign aus.

Als passionierter Pädagoge entwickelte er 1967 das Instructor und das Student Model. Unter anderem war neben einem Metronom ein “Teacher Attention Indicator” verbaut, der leuchtete, wenn der Lehrer den Schülern etwas erklären wollte. Das Design ist auch heute noch Hit-verdächtig. Das anerkannte Music-College Berklee bestellte 1968 22 Stück dieser Modelle.

Fender Rhodes Student Model

Fender Rhodes Mark I Stage

1970 wurde die Stage-Version vorgestellt, die heute am weitesten verbreitet ist. Ihr fehlt der Vorverstärker, Endstufe & Lautsprecher. Das macht das Instrument deutlich leichter und für Bühnenmusiker attraktiver. Zeitgleich wurde die 88-Tasten-Version des Fender Rhodes vorgestellt.

In den 70er Jahren erfuhr das Fender Rhodes weitere Entwicklung. So wurden unter anderem der mechanische Aufbau der Tasten und das Material der Hammerköpfe geändert. Mehr dazu findet ihr unter Modelle. 1974 wurde das Fender Rhodes umbenannt in Rhodes, da Leo Fender in keinster Weise mehr mitwirkte. Der Fender-Schriftzug verschwand von der Rückseite und von der Frontbar des Instruments.

Rhodes Mark II 54

Ende 1979 / Anfang 1980 wurde dann das Rhodes Mark II vorgestellt, was intern vorerst baugleich ist mit den Mark I aus 1979. Der einzige Unterschied ist die flache Haube und die schwarze Frontbar. Das Mark II war erstmals als Mini-Modell mit 54 Tasten erhältlich. Allerdings klingt ein 54er Mark II anders als ein 73er. Warum? Das erfahrt ihr hier.

Das letzte “echte” Rhodes wurde dann 1983 gebaut. Insgesamt sind schätzungsweise 3-4.000 Stück über den Tresen gegangen. Es handelt sich um das Mark V. Ein auf Leichtigkeit getrimmtes Rhodes in einem Plastikgehäuse. Es gab sogar drei Instrumente mit MIDI, wovon Chick Corea eines besitzt.

Rhodes Mark V

Rhodes MK-80

Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings die Tage des Rhodes gezählt. Der Yamaha DX7 wurde 1983 vorgestellt und niemand wollte mehr die schweren Instrumente auf die Bühnen schleppen. 1987 kaufte die Firma ROLAND Rhodes von CBS ab und stellte 1989 unter dem Namen Rhodes MK-80 ein weiteres “Rhodes” vor. Dies kam jedoch komplett digital daher und hatte mit einem echten Rhodes nichts mehr gemein.

Harold Rhodes starb im Jahre 2000 im Alter von 89. Er hinterließ seinen Namen, den sein Arbeitskollege Joseph A. Brandstetter nutzte, um 2011 das Rhodes Mark 7 auf den Markt zu bringen. Das war allerdings aus mehreren Gründen ein Reinfall. Das Mark 7 war zwar etwas leichter, dafür fehlte jedoch das road-taugliche Case. Das angekündigte Ständersystem lässt noch bis heute auf sich warten. Die aktiven (eingebauter Vorverstärker + optional MIDI) Modelle waren fehlerhaft, sodass heute so ziemlich alle dieser Modelle (bzw. deren Netzteile) defekt sein dürften, sofern dies nicht behoben wird. MIDI hatte auch nur zeitweilig funktioniert und viele Teile der Mechanik waren ebenfalls nicht von hoher Qualität.

Rhodes Mark 7


Quellen:

http://www.fenderrhodes.com
https://johandalgaard.wordpress.com/2014/06/16/fender-rhodes-piano-bass/
https://www.amazona.de/velvet-box-fender-rhodes-e-pianos-von-mark-i-ii-bis-vintage-vibe/
https://guitar.com/features/interviews/leo-fender-the-guitar-genius-who-couldnt-play-a-note/
https://www.latimes.com/local/obituaries/la-me-randall11-2009jan11-story.html
https://en.wikipedia.org/wiki/Goddard_Lieberson
https://www.rueckkopplunghamburg.de/backline-rental/stage-pianos-keyboards/fender-rhodes-mark-i/
https://vintagegear.eu/rhodes-pianos/65-rhodes-54-in-amazing-shape.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Rhodes_Mark_V.jpg
http://www.muzines.co.uk/articles/born-again/5676
https://www.keyboards.de/equipment/rhodes-mk7-elektromechanisches-e-piano/